Bleiben, erheben, wandeln

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Ein Plädoyer für unsere Kirche und Gerechtigkeit für Frauen und Männer

Warum ich – trotz allem – in dieser Kirche bleibe?

Weil ich an einen Gott glaube, der/die sich freut, wenn seine/ihre Leidenschaft zum Leben in uns wirksam wird. Weil ich an einen Gott glaube, die/der lacht, wenn Menschen lieben und ihre Liebe lebendig, menschenfreundlich, freiheitsfördernd, ermächtigend und lachend in der Welt sichtbar machen. Weil dieser Glaube uns durch diesen Jesus von Nazareth, durch viele Frauen und Männer vor und nach ihm so lebensnah und menschlich vorgelebt wurde. Weil dieser Glaube – trotz allem – in dieser Kirche viele Formen gefunden hat, gelebt, gestärkt, gefeiert und überliefert zu werden.

Warum ich – trotz allem – in dieser Kirche bleibe?

Weil wir in dieser Kirche – trotz allem – eine weltumspannende Gemeinschaft leben, in der wir durch gemeinsame Rituale über alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg verbunden sind. Weil wir in dieser Kirche – trotz allem – Werte teilen, die auf das Mehr an Leben, Liebe, Menschlichkeit und Geschwisterlichkeit hinweisen – im täglichen Miteinander genauso wie im gesellschaftspolitischen Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, nachhaltige Lebens- und Produktionsstile und auch den Dialog als Möglichkeit, Differenzen auszuhandeln und in Vielfalt friedlich miteinander zu leben.

Warum ich – trotz allem – in dieser Kirche bleibe?

Weil mir diese Kirche Heimat ist, die mich – trotz allem –nährt, stärkt, herausfordert und lebendig hält. Weil ich ja auch – trotz allem Macht- und Vertrauensmissbrauch in der heimischen Politik – meine österreichische Staatsbürgerschaft nicht zurückgebe.

Weil ich viel in der Welt herumgekommen bin und überall Frauen und Männer getroffen habe, die sich – trotz allem – für ihre Mitmenschen einsetzen, die in Liebe viel von ihrem Leben geben, damit auch andere gut leben dürfen. Die sich in der Nachfolge dieses frauenliebenden Wanderpredigers auch als Frauen – trotz allem – bedingungslos angenommen, geliebt und berufen wissen. Die sich als Abbild Gottes, als Menschen in ihrer Vielfalt angenommen wissen und aus dieser Verwurzelung im Glauben an diesen Gott groß, stark, strahlend, liebend, lachend und geerdet sind und sich freuen, wenn durch ihr Sein auch andere groß und stark und liebend werden.

Warum ich – trotz allem – in dieser Kirche bleibe?

Weil gerade in dieser Gemeinschaft der Gläubigen – trotz allem – die Erinnerung an Jesu kompromisslosen Einsatz für die Schwachen, Armen, Ausgeschlossenen und Verachteten wach gehalten wird. Und über so viele Menschen über so viele Jahrhunderte hindurch – trotz allem – diese vorrangige Option für die Armen und Benachteiligten auch in der Zivilgesellschaft, in Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur in die Gesellschaft eingebracht wird.

Ich bleibe – trotz allem – in dieser Kirche. Mit Gottes lebensfördernder Nähe, mit der Unterstützung seiner/ihrer Geistkraft – der Trotz-Macht des Geistes. Und in Begleitung vieler Frauen und Männer, die – trotz allem – auch bleiben. Die sich erheben. Die den Wandel gestalten. Ich versuche, den Wandel mitzugestalten hin zu einer demokratischen, solidarischen, gerechten, geschwisterlichen und ehrlichen Kirche. Ich versuche, stehen zu bleiben – prophetisch anklagend, auch verletzt und gedemütigt.  Ich bleibe in dieser Kirche – als Frau, als Gottes geliebte Tochter.

PS: Bin ich eine blinde Optimistin? Nein. Ich könnte hier auch massenhaft Unrecht benennen. Aber hier und heute ist es mir wichtiger, meine Energien nicht für – berechtigte – Kritik an menschenverachtenden Strukturen und scham-losen MachtmissbraucherInnen in unserer Kirche zu verschwenden. Hier und heute ist es mir wichtiger, dem Leben und Gottes bedingungsloser Liebe das starke, das letzte Wort zu geben.

Dieser blog-Beitrag erscheint zeitgleich auch auf https://bleibenerhebenwandeln.wordpress.com/

Autorin

Holztrattner © Bloderer

MMag.a Dr.in Magdalena M. Holztrattner MA, Direktorin der ksoe, Sozialethikerin, Führungskräfteentwicklerin