Führung, Macht, Verantwortung in Organisationen

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Interview mit Veit Schmid-Schmidsfelden

Gerade auch angesichts der aktuellen Krisen: Was bedeutet es für Sie, Führungsverantwortung wahrzunehmen?

Das Wort Führungsverantwortung zeigt die Mehrdimensionalität bereits auf: Führen durch Verständlichmachen der Ziele einer Organisation und Betreuen der für die Einzelaufgaben geeigneten KollegInnen im Rahmen der Prozesslandschaft. Die Verantwortung des Managers liegt gleichzeitig in der Sicherstellung der Übereinstimmung dieser Einzelziele mit der Unternehmensstrategie und dem geplanten Ressourcenverbrauch, sei es in Hinblick auf Produktionsfaktoren, Mitarbeitende, Stakeholder oder Umwelt. Die aktuelle Corona Krise hat die Komplexität erhöht: weitere, in diesem Ausmaß noch nicht dagewesene, Dimensionen sind jetzt der größtmögliche gesundheitliche Schutz der Beschäftigten, die Sicherung der Versorgung der KonsumentInnen und der verantwortungsvolle Umgang mit staatlichen Geldern.

Wie erleben und wie leben Sie Macht in Ihrer Führung?

Management ist Macht auf Zeit – die Führungskraft hat die Pflicht, die Entscheidungsgewalt im Bedarfsfall auszuüben, solange sie zuständig ist. Das bedeutet zunächst eine Last. Die Macht auch unpopuläre und manche Stakeholder benachteiligende Entscheidungen umsetzen zu müssen, fordert. Vor diesem Hintergrund versuche ich die unternehmerische Begeisterung, die ich in meiner Arbeit für meine Unternehmen empfinde, in das gesamte Team hineinzutragen, mit dem Ziel, in Hinblick auf den gemeinsamen Unternehmenserfolg Verständnis auch für hart anmutende Maßnahmen zu erreichen.

Was ist Ihnen im verantwortlichen Umgang mit Macht wichtig – und woran zeigt sich das?

Zuerst: Macht im Sinne von Potestas oder Auctoritas? Die Macht gegeben nur aus der Position im Organigramm oder Macht durch Kompetenz und innerbetrieblichem Ansehen? Der verantwortungsvolle Umgang zeigt sich durch daten- und faktenbasierte Entscheidungsprozesse, die die Teams oder Stakeholder im Vorfeld zu Wort kommen lassen und die Konsequenzen gesamtheitlich unter dem Dach der Unternehmensstrategie berücksichtigen. Dann ist aber die Verantwortung klarer Entscheidungen wahrzunehmen. Es wäre verantwortungslos, die (meist von den EigentümerInnen) anvertraute Macht nicht auszuüben.

Wie gelingt es Ihnen in Ihrer Organisation Werte zu leben?

Werte sind Konzepte von Überzeugungen, die zur Grundlage für Entscheidungen im Sinne eines Bewertungsrahmens für Argumente in einer bestimmten Situation werden. Durch diese Entscheidungen und deren Folgen bildet sich die Identität einer Organisation. Aber woher sollen die Werte kommen?
Um christliche Werte zur Grundlage der Führungsaufgabe zu machen, muss man Christ sein. Das Leben von Werten wird der Führungskraft aber nur gelingen, wenn diese in allen wahrzunehmenden Rollen in kohärenter Weise gegenwärtig sind, im Privaten und im Beruflichen, das Gegenteil wäre ansonsten eine hybride Identität, die an Glaubwürdigkeit nach innen und in der Außenwirkung verliert. Familienunternehmen haben in besonderer Weise die Möglichkeit, Familienwerte über die Führungsstrukturen in die Organisation einzubringen. Wenn diese Werte dann zum Fundament der Unternehmenskultur werden, sind die Firmen nachhaltig erfolgreicher.

In diesem Sinn versuche ich meinen christlichen Glauben auch in der beruflichen Tätigkeit gegenwärtig zu haben – ich hoffe es gelingt mir jeden Tag ein wenig besser.

Interviewpartner

V. Schmid-Schmidsfelden

Veit Schmid-Schmidsfelden
Unternehmer, Geschäftsführer, Fachgruppenobmann der Metalltechnischen Industrie in der Wirtschaftskammer NÖ, Präsident des Forums Christlicher Führungskräfte.

 

Dieser Artikel ist im ksoe Dossier 1/2020 erschienen (Seite 14-15), dort können Sie auch weitere Artikel zum Thema Führung und Verantwortung in Organisationen nachlesen.