Wie wird eine Besprechung co-kreativ?

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Besprechungen sind notwendige Arbeitsformen, um sich in Organisationen zu koordinieren. Solange eine Gesprächsleitung oder Moderation diese Besprechungen klar strukturiert und es bei den Tagesordnungspunkten darum geht, andere zu informieren oder einfache Entscheidungen zu treffen, gelingt das meist recht zufriedenstellend. Sobald aber jemand in der Besprechung  spontan eine Grundsatzdebatte zu einem komplexen oder strittigen Thema anstoßen will , bevor eine Entscheidung getroffen werden soll oder wenn sich jemand eine gemeinsam entwickelte neue Idee oder Strategie erwartet, steckt die Besprechungsleitung in einem Dilemma: entweder gibt sie diesen Bedürfnissen Raum und gefährdet damit die Abarbeitung der anderen Tagesordnungspunkte im vereinbarten Zeitrahmen; oder sie versucht diese Bedürfnisse rasch zu bearbeiten und gefährdet durch zu wenig Gesprächszeit für die Beteiligung aller die Qualität und Akzeptanz des Ergebnisses. So oder so erzeugt die Besprechung bei einigen TeilnehmerInnen Unzufriedenheit oder Frust, da ihre Erwartungen an die Besprechung nicht erfüllt werden.

Zwei grundsätzliche Besprechungsarten  in Organisation

Eine Ursache für das oben beschriebene Dilemma ist, dass den zwei Grundprozessen jeder Organisation nicht angemessen Rechnung getragen wird. Um ihr langfristiges Überleben zu sichern, braucht jede Organisation zwei Grundprozesse: das Erhalten und Verwalten von Bestehendem und die Entwicklung von Neuem. Da diese Prozesse nach ganz unterschiedlichen Logiken funktionieren, benötigen sie auch zwei  unterschiedliche Arten von Besprechungen: koordinierende Besprechungen und co-kreative Besprechungen. Koordinierende Besprechungen haben die effiziente Leistungserbringung der Organisation im Fokus und können straff geleitet werden. Co-kreative Besprechungen wollen die kollektive Intelligenz nutzen um komplexe Sachverhalte zu erkunden und Neues zu entwickeln und erfordern daher eine andere Vorgangsweise.

Maximen für co-kreative Besprechungen

Mit den geeigneten Rahmenbedingungen und Einstellungen kann eine Gruppe lernen, miteinander bedeutsame Erkenntnisse und zukunftsträchtige Ergebnisse zu erarbeiten. Ein inspirierendes Miteinander und die Nutzung des vielfältigen kreativen Potentials der Gruppenmitglieder sind zwar nicht durch Regeln erzeugbar, aber wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, einer Gruppe für das Erlernen der co-kreativen Besprechung sieben Maximen zur Orientierung vorzustellen. Diese Maximen machen wir in Übungen erfahrbar und nützen sie für die detaillierte Reflexion von Besprechungen.

Eine wesentliche Maxime ist, dass alle BesprechungsteilnehmerInnen die Verantwortung für den Verlauf der Besprechung übernehmen und sie nicht an eine Besprechungsleitung delegieren. Da das Gesprächsergebnis offen ist, braucht es das Mitsteuern aller, denn keine Einzelperson kann wissen, was der richtige Weg ist.

Die anderen Maximen schärfen die Achtsamkeit auf den Gesprächsverlauf und den eigenen Beitrag zum Gelingen einer co-kreativen Besprechung. Das interessierte Zuhören, das sich Beobachten und das „rückhaltlose“ Aussprechen von Gedanken und Gefühlen haben dabei eine besondere Bedeutung. Mit etwas Übung wird dann eine dialogische Gesprächskultur erlebbar, die in vielen Diskussionen fehlt, aber unabdingbar ist, um die Organisation weiter zu entwickeln und gemeinsam Neues zu kreieren.

Autor

Markus Hauser, ksoe - Foto: Karoline Bloderer
M. Hauser, ksoe

Markus Hauser
Wirtschaftspsychologe, Psychotherapeut, seit 1993 Mitarbeiter der ksoe. Arbeitsschwerpunkte: Konzeption und Durchführung von Führungskräfteprogrammen, Moderation von Klausuren und Großgruppenveranstaltungen, Selbstmanagement, Dialog.

Veröffentlichungen

Co-Creative Meetings. Practicing Consensual Effectivity in Organizations, gem. mit Christoph Mandl und Hanna Mandl. Springer Verlag (2012)

Die schöpferische Besprechung. Kunst und Praxis des Dialogs in Organisationen, gem. mit Christoph Mandl und Hanna Mandl. EHP Verlag (2008)

Link: ksoe.at

#besprechung#co-kreativität#dialog#moderation