Neue Produktions- und Lebensweisen

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Vor dem Hintergrund von Naturzerstörung und Armut, die durch unsere herrschende Produktions- und Lebensweise vorangetrieben wird, ergibt sich die Notwendigkeit der Verankerung neuer Produktions- und Lebensweisen. Wie können diese umrissen werden? Was ist zu deren Gestaltung notwendig? Ein Plädoyer für eine Neuausrichtung.

Imperiale Lebensweise

Unsere momentan herrschende kapitalistische Produktions- und Lebensweise beruht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur. Diese äußert sich anhand eines voranschreitenden Klimawandels wie auch einer weit auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Die dominante Produktions- und Lebensweise ist einerseits durch das Wirken transnationaler Konzerne und unfairer Handelspolitiken abgesichert. Andererseits spielen ebenso Alltagsstrukturen und -handlungen für deren dauerhafte Wirkung eine große Rolle. Die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen sprechen daher von einer imperialen Lebensweise, die tief in diesen Handlungsmustern eingeschrieben ist.

Die Mittel- und Oberklassen im globalen Norden, aber auch zunehmend in den Schwellenländern, leben auf Kosten des globalen Südens. Sie verbrauchen natürliche Ressourcen, die dort beispielsweise mittels Monokulturplantagen an- oder durch zerstörerischen Bergbau abgebaut werden. Die Ausbeutung dieser Ressourcen führt zur Degradation von Böden, zur Verschmutzung ganzer Landstriche und der Vertreibung von KleinbäuerInnen und indigener Völker. Der Ressourcenexport bettet diese in den globalen Weltmarkt und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Abhängigkeiten ein. Dadurch wird mit deren traditionellen Produktions- und Lebensweisen gebrochen und in den ProduzentInnen-Ländern eine steigende soziale Ungleichheit vorangetrieben.

Einführung und Durchsetzung neuer Produktions-
und Lebensweisen

Um mit dem Status Quo zu brechen, ist deshalb die Einführung und erfolgreiche Durchsetzung von neuen Produktions- und Lebensweisen notwendig. Diese möchte ich anhand folgender fünf Punkte skizzieren.

(1)   Neue Produktions- und Lebensweisen müssen nachhaltig sein.

Wie in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals, erwähnt, müssen Konsum- und Produktionsmuster nachhaltig gestaltet werden. Nachhaltigkeit ist hierbei meiner Ansicht nach im Sinne einer inter- sowie intragenerationellen Gerechtigkeit zu verstehen, mit anderen Worten einer Gerechtigkeit, die innerhalb wie auch zwischen den Generationen Geltung hat. Außerdem muss Nachhaltigkeit als die tatsächliche Vereinbarkeit der in vielen Nachhaltigkeitsmodellen postulierten drei Dimensionen – nämlich der sozialen, der ökonomischen und ökologischen – gefasst werden.

(2)   Es geht nicht um eine bloße Änderung des individuellen Lebensstils, sondern um das Umgestalten der Produktions- und Konsumbeziehungen.

Wenngleich die KonsumentInnenmacht gestaltend wirken kann, reicht ein Aufbrechen der individuellen Konsummuster allein nicht aus. Scheinbar umweltbewusste KonsumentInnen verfügen über einen größeren ökologischen Fußabdruck, als andere, denen weniger Einkommen zur Verfügung steht. D.h. ein vermeintlich umweltbewusster, aber konsumorientierter Lebensstil ist und bleibt ressourcenintensiv. Veränderungen müssen jedoch darüber hinaus passieren und dürfen nicht bei bloßen Konsumentscheidungen halt machen. Produktionsprozesse müssen demokratischer gestaltet werden und die Beziehungen zwischen Produzierenden und Konsumierenden sind neu zu definieren.

(3)   Mit dem ökonomischem Wachstum als Ziel muss gebrochen werden.

Kapitalistisches Wachstum darf nicht länger als Paradigma dienen, wie es die Green Economy – ein vermeintlich Grünes Wirtschaften-  oder Konzepte von Green Growth verbreiten und fördern. Stattdessen ist mit dem kapitalistischen Wachstum zu brechen.

(4)   Dafür brauchen wir ein Umdenken, das auf anderen Prinzipien basiert.

Nicht materielle Werte sondern Konzepte wie Konvivialität, also die Zeit beispielsweise mit FreundInnen und Familie zu verbringen und die das Gemeinschaftliche in den Vordergrund stellen, sind zu fördern. In der Degrowth-Bewegung wird Konvivialität besonders hervorgehoben. Aber auch Solidarität und die Tugenden der Genügsamkeit, Achtsamkeit sind für solch ein Umdenken von Bedeutung.

(5)   Eine institutionelle Verankerung ist nötig, um wirklich nachhaltig und nicht nur nischenhaft wirken zu können.

Schließlich stellt sich die Frage nach einer Verankerung der nachhaltigen Produktions- und Lebensweisen, nach ihrer Absicherung und Integration in gesamtgesellschaftliche Entwicklungen.
Wir, als KonsumentInnen aber auch als politische Subjekte, müssen es uns daher zu unserer gemeinsamen politischen Aufgabe machen, uns für neue Produktions- und Lebensweisen einsetzen, um diese einzuführen, durchzusetzen und zu verankern.

Autorin:

Christina Plank, ksoe
C. Plank, ksoe

Christina Plank
Politikwissenschafterin, Promotion am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien zum Thema „Oligarchische Staatlichkeit: Das Agrartreibstoffprojekt in der Ukraine“, Forschungsschwerpunkte: Politische Ökologie und kritische Staatstheorie, 2016/17 Schasching-Fellow der ksoe

 

Links:

Schasching-Fellowship – Ausschreibung 2017/18

ksoe-Dossier 08/2014: „Neue Produktionsweisen“ – Infos und Bestellung

Christina Plank: „Ernährungssouveränität – Jetzt!“, in: politix Ausgabe Nr. 40 (2016) zu „Politische Ökologie“ (Zeitschrift des Instituts für Politikwissenschaften der Universität Wien) download

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