Mobilität: individuell und politisch umkehren

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Die Aktion Autofasten wird nun bereits zum 13. Mal in Folge in der Fastenzeit durchgeführt. Die Frage, wie oft noch, lässt sich noch immer nicht beantworten. Zwar soll der erdölabhängige Verkehr EU-weit bis 2030 halbiert werden, ob das gelingt, daran beschleichen mich immer wieder Zweifel. Besonders wenn ich höre, dass z. B. die Tempolimits erhöht werden sollen, was nicht nur aus ökologischer Hinsicht problematisch ist, sondern ebenso aus gesundheitlicher oder dass ausschließlich auf ein Anreizsystem gesetzt werden soll und keine neuen umweltfreundlichen gesetzlichen Maßnahmen werden sollen.

Zweifellos sind das Angebote an Autofahrer_innen, die vermutlich auf den ersten Blick daran Gefallen finden. Denn Autofahren wird noch immer mit Freiheit assoziiert. Aber die Verkehrssituation wird sich dadurch in den nächsten Jahren auch nicht wesentlich bessern, wie verschiedene Daten zeigen. Die PKW-Fahrten nehmen nur geringfügig oder gar nicht ab oder werden stattdessen mit größeren Sprit-Verbrauchern zurückgelegt, außerdem wird immer mehr Gütertransport von der Bahn auf die Straße verlegt und manche Lagerbestände sind sowieso nur mehr auf der Straße zu finden.

Neues ausprobieren

Trotzdem oder wegen dieses ernüchternden Ergebnisses, starten wir evangelischen und katholischen Umweltbeauftragten der Diözesen jedes Jahr wieder die Aktion Autofasten in der Hoffnung, die einen zu bestärken und die eine oder den anderen zum Umdenken zu bewegen. Die Fastenzeit bietet sich deswegen für den Umstieg an, weil es darum geht Gewohnheiten zu hinterfragen und Neues in einem überschaubaren Zeitraum auszuprobieren bzw. zu erlernen. Denn es braucht Zeit, bis Fahrpläne, Ticketpreise, Radwegnetze, Ampelkreuzungen durchschaut werden, der ideale Weg gefunden ist oder funktionierende Fahrgemeinschaften gegründet sind.

Autofasten trägt also vorwiegend zur individuellen ökologischen Umkehr im Mobilitätsbereich bei. Es braucht aber nicht nur solche Anreize, um für eine klimaschonende, energieeffiziente und platzsparende Mobilität zu sorgen, sondern umfassende Konzepte und Ideen.

Stadt der kurzen Wege

Diese müssen berücksichtigen, dass die Anzahl der Menschen in den nächsten Jahren in den Ballungsräumen steigen wird und dass die Mobilitäts-Bedürfnisse älterer Menschen eingeplant werden. Ziel muss eine Stadt der kurzen Wege sein. Denn wo die Lebens- und Aufenthaltsqualität – mehr Sitzgelegenheiten, mehr Spielplätze, langsameres Tempo des Individualverkehrs – besser ist, sind die Menschen bereit, längere Wege zu Fuß zu gehen, was Voraussetzung ist für eine gelingende multimodale Mobilität. Damit ist gemeint, dass verschiedenste Verkehrsmittel genutzt werden, um an ein Ziel zu kommen.

Netzausbau und dichterer Fahrplan

Automobilität nimmt in den Städten zwar ab, beansprucht aber sehr viel Platz im Verhältnis zu ihrer Effizienz. Die digitale Entwicklung benutzungsfreundlicher Informationssystemen ist ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung. Sie erleichtern den Umstieg und die Nutzung von Leihrädern oder Car-Sharing-Angeboten. Außerdem entlastet gemeinsames Nutzen die Geldbörse. Beides gilt auch für öffentliche Verkehrsmittel, die eine sehr hohe Leistungsfähigkeit haben. Was noch fehlt, ganz besonders in ländlichen Regionen, ist der Ausbau des Netzes und ein dichterer Fahrplan.

Besonders aus ländlichen Regionen bekommen wir die Rückmeldung, dass Autofasten schwer möglich ist, da ökologische Mobilitätskonzepte nicht berücksichtigt wurden und werden. Das heißt für uns Umweltbeauftragte, mit verschiedenen Verkehrsinitiativen zusammenzuarbeiten, um die notwendigen politischen Maßnahmen anzuregen bzw. einzufordern.

Kurz und gut: Autofasten wird es nicht nur heuer, sondern mindestens noch ein 14. Mal, vermutlich sogar öfter geben. Daher meine Bitte, unterstützen auch Sie uns bei unseren Bemühungen!
Link: www.autofasten.at

Autorin

Lucia Göbesberger
L. Göbesberger

Lucia Göbesberger
Theologin, Abteilung Gesellschaft & Theologie im Pastoralamt der Diözese Linz, Referentin für Umwelt und Soziales