Mit dem ersten „Welttag der Armen“ setzt Papst Franziskus ein unverrückbares Zeichen

Mittagsrast im Don Bosco Flüchtlingswerk - Romaria (Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen) 2013_c_Helm

Der „Welttag der Armen“ stellt nicht Armut ins Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern Menschen. Jene Menschen, die von Armut betroffen sind. Damit richtet der Bischof von Rom die Aufmerksamkeit nicht auf Statistiken zu Armut sondern auf Gesichter der Armut.

„Liebt nicht mit Worten, sondern in Taten“

Dieser nun ausgerufene „Welttag der Armen“ (immer der 33. Sonntag im Jahreskreis) ermutigt „alle Menschen guten Willens“, soziale Gerechtigkeit und nachhaltigen Frieden zu fördern, schreibt Papst Franziskus in einer Botschaft. Damit zusammen hängen Fragen nach gerechten wirtschaftlichen Beziehungen, Wahrung der Menschenrechte, Schutz der Mitwelt. Implizite Konsequenz ist zugleich das Anprangern einer „globalisierten Kultur der Gleichgültigkeit“.

Arme als Ressource für ChristInnen

Das Richtige zu tun für sozial Benachteiligte ist der Stein der Glaubwürdigkeit des Glaubens an den christlichen Gott – daran will der „Welttag der Armen“ erinnern. Unter diesem Blickwinkel, so unterstreicht Franziskus in seiner Botschaft, sind Arme weniger ein Problem, als vielmehr eine „Ressource“ für Christinnen und Christen: Im konkreten Einsatz für gerechte Strukturen und nachhaltigen Frieden – begleitet vom Gebet – können sie ihren Glauben stärken

Wer das „Vater unser“ betet, dürfe der bedingungslosen Liebe Gottes zu uns Menschen die Antwort nicht schuldig bleiben. Wer den Schrei Gottes in den Armen zu hören bereit ist, würde sich bewegen lassen und „Werke der Barmherzigkeit für unsere Brüder und Schwestern in Not hervorbringen“, so Franziskus.

Der Blick „von unten“ prägt das Pontifikat von Franziskus

Mit diesem „Welttag der Armen“ setzt der Bischof von Rom erneut einen Fixpunkt, die Bedrängten dieser Welt nicht mehr zu ignorieren. So verfolgt er konsequent, womit er sein Pontifikat begonnen hat: konkrete Zeichen der Menschlichkeit, die über ihre Schlichtheit die Menschen bewegen: seine ersten Worte nach dem Konklave, die Nutzung eines einfachen PKWs als Dienstwagen, die erste Reise auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa, die Fußwaschung am Gründonnerstag in einem Jugendgefängnis etc.

In seinen apostolischen und sozialethischen Schreiben markiert Franziskus die menschlichen Wurzeln, die die Mehrheit der Menschheit in Armut hält: Habgier, Egoismus, Gleichgültigkeit, Negation der existenziellen Verbundenheit aller Lebewesen untereinander, Anbetung von Macht und Reichtum sowie ein Lebensstil, der auf Kosten anderer Menschen, Länder und Generationen geführt wird.

Kirche der Armen?

Viele kirchliche Gemeinden und Gemeinschaften haben verstanden, dass der wahre Gottesdienst nicht nur im Sakralraum, sondern besonders wirksam im Einsatz für soziale Gerechtigkeit und in der Freundschaft mit Armen unserer Zeit gefeiert wird: in Lerncafés mit  Jugendlichen genauso wie in der Begleitung von AsylwerberInnen, mit Arbeitslosenstiftungen genauso wie in Wärmestuben oder etwa in der Erwachsenenbildung, wo Demokratie gelernt werden kann und die einen Beitrag zur menschengerechten Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels leistet.

Aktuell ist es auch in Österreich wichtig, als Kirche gesellschaftspolitisch tätig zu bleiben. Gerade Fragen nach einem starken Sozialstaat – der gesetzlich verbrieften Wahrung eines menschenwürdigen Lebens und sozialer Teilhabe aller Menschen – oder die Forderung nach nachhaltigen, menschen- und umweltgerechten Produktionsweisen muss auch von kirchlichen Kreisen gestellt werden. Als Anwältin der Armen und Bedrängten ist Kirche seit jeher und auch heute wieder herausgefordert, nicht nur Almosen zu erbitten, sondern die Ursachen von Ausgrenzung und Armut – auch global – zu benennen und zu verurteilen.

Franziskus ist weiters davon überzeugt, dass neben Bildungsarbeit und Appellen der wirksamste Weg ist, Armen als Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Aus Begegnung könne Freundschaft wachsen. Freundschaft weckt Mit-Leid mit dem Leiden der Ausgegrenzten und kann zum konkreten Einsatz mit und für Arme führen.

Dieser neue Welttag, so schließt der Bischof von Rom sein Schreiben, möge ein Aufruf sein für das Gewissen, damit die Überzeugung wächst, dass das Teilen mit den Armen ermöglicht, die frohmachende Botschaft Gottes, die an alle Menschen gerichtet ist, in seiner tiefen Wahrheit zu verstehen.

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Autorin

Magdalena M. Holztrattner
M. Holztrattner, ksoe

Magdalena M. Holztrattner
Theologin, Organisationsberaterin, Erwachsenenbildnerin, Armutsforscherin, seit 2013 Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Vortragende, Trainerin, Coach; Schwerpunkte sind u.a. Sozialethik, Spiritualität des Engagements, Führungsethik