Demokratie lernen – mit sozialer Verantwortung!

TeilnehmerInnen des ksoe-Lehrgangs Soziale Verantwortung c J. Mullan

Weil Demokratie „die einzige Staatsform ist, die gelernt werden muss“ (Oskar Negt), braucht es Räume, die dieses Lernen ermöglichen. Der Lehrgang „Soziale Verantwortung. Gestaltungskompetenz für den gesellschaftlichen Wandel“ befähigt BürgerInnen aus Ländern mit unterschiedlicher politischer Geschichte an der zukunftsfähigen Gestaltung von Demokratie aktiv mitzuwirken.Vielfältige Kompetenzen können dafür im Entwicklungsraum des Lehrgangs eingeübt werden.

Sozialethische Reflexion und Positionierung

Die revolutionärste Tat bleibt, so Rosa Luxemburg, zu sagen, was ist. Die Einsicht in die bestehenden Verhältnisse und die Einsicht in die eigene Position in diesen Verhältnissen ist Kernanliegen demokratischer Bildung. Als roter Faden zieht sich die Analyse von gesellschaftlichen Zusammenhängen durch den Lehrgang; eng verknüpft mit dem sozialethischen Instrument der Reflexion der persönlichen Werte, der im jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld erlernten Wertesysteme und der Erarbeitung von Werten der sozialen Verantwortung. So wird im Lehrgangsverlauf der Weg von bislang eingenommenen Standpunkten zu einer reflektierten Positionierung für das gute Leben aller Menschen gegangen. Bei der Abschlusspräsentation des letzten Lehrgangs positionierten sich die AbsolventInnen mit dem Ausruf: „Wir sind visionäre WeltbürgerInnen!“.

Dialogfähigkeit und Konfliktkultur

Der demokratische Prozess verlangt Lösungen, die von einer breiten Basis getragen werden. Der Qualität von Kommunikation kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu. Es braucht eine Dialog- und Konfliktkultur, die von einem klaren eigenen Standpunkt ausgeht und von Offenheit und Respekt getragen ist. Beim Lehrgang sind konstruktive Verständigung und Aushandlung wesentliche Lernelemente. Die öffentlichen Diskurscafés etwa bieten Gelegenheit, Diskursfähigkeit zu üben – als DiskursteilnehmerIn beim engagierten Argumentieren und Überzeugen und als DiskurscafémoderatorIn im achtsamen Steuern kontroverser, mitunter auch konflikthafter Diskussionen.

Alternativen denken – Neue Wege beschreiten

Wer Demokratie zukunftsfähig gestalten will, muss in der Lage sein, über das Bestehende hinaus zu denken. Festhalten an Mainstream-Theorien und Sachzwang-Mentalitäten sind dafür eine ebenso schlechte Basis, wie etwa der Glaube an die Alternativlosigkeit von ressourcenvernichtendem Wachstum, an die „natürliche“ Ungleichheit zwischen Reich und Arm oder die Rechtfertigung geschlechterhierarchischer Denkansätze. Hingegen verschafft der Blick auf nonkonformistische VordenkerInnen,  alternative Theorien und auf konkrete, gelebte Praxen solidarischer Ökonomie und demokratischer Partizipation neue Einsichten. Im Lehrgang wird auf Gestaltungsräume für das Beschreiten neuer Wege geschaut. Mit ExpertInnen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen wird gemeinsam an „Alternativen-Fähigkeit“ gearbeitet.

Handlungskompetenz und Wirksamkeit

Die Erfahrung der Betroffenheit („so geht es nicht“) und die Erfahrung des Möglichen („so kann es gehen“) ermutigt zum demokratischen Handeln („da bin ich gefragt“). Um wirksam zu sein, sind vielfältige Handlungskompetenzen gefragt: die Fähigkeit, das eigene Machtpotential zu nutzen, aber auch den eigenen Handlungsspielraum realistisch einzuschätzen, die Fähigkeit sich Verbündete zu suchen, Betroffene zu beteiligen, aber auch mit Kritik und Widerstand umzugehen. Der Lehrgang bietet Impulse für politisches Engagement. Vertiefend erarbeiten die TeilnehmerInnen Projekte und setzen damit kraftvolle Zeichen lebendiger Demokratie.

Zukunft passiert nicht. Zukunft ist das Produkt gemeinsamer Anstrengungen. Es geht darum, die Zukunft demokratisch zu gestalten. Der Lehrgang Soziale Verantwortung ist ein wirksamer Lernort, der die zentralen Kompetenzen dafür vermittelt!

Informationen zum zweijährigen Lehrgang „Soziale Verantwortung. Gestaltungskompetenz für den gesellschaftlichen Wandel“ (Start am 1. Oktober 2018)

Autorin

Gabriele Lindner
G. Lindner, ksoe

Gabriele Lindner
Historikerin, Erwachsenenbildnerin und Organisations-
entwicklerin, seit 1993 in der ksoe (Kath. Sozialakademie Österreichs) tätig, leitet den Lehrgang „Soziale Verant-
wortung. Gestaltungskompetenz für den gesellschaft-
lichen Wandel“ und arbeitet als Beraterin mit den Schwer-
punkten Führungsverantwortung,  Entscheidungsfindung, Konfliktkultur und Veränderungsmanagement